Kurzbericht des 8. Workshops
am 4./5. Oktober 2000 (im Rahmen des DVPW-Kongresses in Halle/Saale) zum Thema:
„Kriminalpolitik in entgrenzten Räumen – Konturen neuer Begrenzungen?“
Der Workshop behandelte das Thema „Kriminalpolitik in entgrenzten Räumen – Konturen neuer Begrenzungen?“. Kriminalpolitik wird hier verstanden als ein Policy-Programm, welches die Strategien, Taktiken und Sanktionsinstrumente beschreibt, mit der die Institutionen der Inneren Sicherheit eine Optimierung der Verbrechenskontrolle zu erreichen versuchen. Derzeit sind Tendenzen zu beobachten, wonach sich die bislang national und staatlich ausgerichteten Kriminalpolitiken „entgrenzen“: sichtbar vor allem in der zunehmenden Europäisierung der Inneren Sicherheit, beobachtbar aber auch anhand der steigenden Einbeziehung kommerzieller Akteure in die Produktion öffentlicher Sicherheit. In diesem Sinne verliert der Staat an originären Handlungs- und Eingriffsbefugnissen. Zugleich ist aber paradoxerweise festzustellen, dass die Tendenzen umfassender gesellschaftlicher Kontrollen insgesamt zunehmen. Dies betrifft einerseits die Spezialisierung und Technisierung der Strafermittlung und der Kriminalprävention (z. B. elektronische Überwachung von Telekommunikations-Infrastrukturen), andererseits expandieren durch die Verwischung der Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem die sozialen Kontrollinstrumente. Die Bürger avancieren selbst zu Akteuren kriminalpolitischer Kontrolle.Die Beiträge des Workshops untersuchten in einem ersten Teil die institutionellen Veränderungen und überprüften in einem zweiten Teil die Evaluierungserfahrungen in ausgewählten Kriminalitätsfeldern.
Moderation und Organisation:
PD Dr. Hans-Jürgen Lange
Philipps-Universität MarburgInstitut für Politikwissenschaft
Wilhelm-Röpke-Str. 635032 Marburg
Mittwoch, 4. Oktober 2000
I. Teil: Entstaatlichung national-staatlicher Kriminalpolitik?
DR. BERNHARD FREVEL (Fachhochschule für öffentl. Verwaltung NRW)
Kriminalpolitik im institutionellen System der Bundesrepublik
PROF. DR. PETER NITSCHKE (Hochschule Vechta)
Europäisierung der Kriminalpolitik
Diskussion
PROF. DR. EIKE HENNIG (Universität -GH- Kassel)Kriminalpolitik und Privatisierung öffentlicher Räume
PD DR. HANS-JÜRGEN LANGE (Universität Marburg)Kriminalpolitik, politische Steuerung und Politikberatung
Diskussion
Mitgliederversammlung
Donnerstag, 5. Oktober 2000
II. Teil: Vergesellschaftung der Kriminalpolitik ? – Evaluierungsberichte aus Kriminalitätsfeldern
PD DR. NORBERT PÜTTER (FU Berlin)
Organisierte Kriminalität
PROF. DR. KARLHANS LIEBL (Fachhochschule für Polizei Sachsen)
Wirtschaftskriminalität
Diskussion
GISBERT VAN ELSBERGEN (Universität Osnabrück)
Umweltkriminalität
KURT H. G. GROLL / SASCHA SCHIERZ (Universität -GH- Wuppertal)
Der Bürger als kriminalpolitischer Akteur. Politische Anstrengungen zur Vergemeinschaftung der Verantwortung von Sicherheit und Ordnung
Abschlußdiskussion
Die Beiträge werden in dem Sammelband: Lange, H.-J. (Hg.): Kriminalpolitik, Verlag Leske + Budrich, dokumentiert.
