Kurzbericht des 34. Workshops
am 16.12.2022 an der Universität Witten/Herdecke
zum Thema „Angst und Angstpolitik“
Der 34. Workshop des Interdisziplinären Arbeitskreises Innere Sicherheit stand in der Vorbereitung noch unter dem Eindruck der veränderten Arbeits- und Kommunikationsbedingungen der Corona-Pandemie. Am 16.12.2022 wurde mit 22 Referentinnen und Referenten ein Autoren-Workshop durchgeführt.
Unter den diagnostizierten gesellschaftlichen Bedingungen von Verängstigung und Angst wird eine Angst- und Sicherheitspolitik zunehmend relevant. Die Angstpolitik hat in politischen Diskursen grundlegend zwei Seiten, die unterschiedlich genutzt werden. Je nach politikwissenschaftlicher Perspektive (Polity, Politics, Policy) liegen die Folgen einer gescheiterten bzw. erfolgreichen Angstpolitik in der (De-)Stabilisierung von Akzeptanz und Wirkung demokratisch legitimierter Institutionen oder der politischen Nutzbarmachung von Verängstigungen für die Formulierung und Durchsetzung (bestimmter) politischer Ziele und Interessen. Die Ursachen, Folgen und Kompensatoren von Angst verweisen hier insbesondere auf den Umstand, dass Verängstigungen individuell, sozial und politisch in Passivität und Apathie führen, aber durch politisch relevante Emotionen wie sowohl Hoffnung und Zuversicht als auch (protestierende) Empörung, (radikalisierende) Wut oder (extremistischen) Hass umgelenkt und (re-)aktiviert werden können. Die hiermit mehr oder weniger eng verbundene Sicherheitspolitik kann (auch) als ‚materielle‘ Seite einer Angstpolitik verstanden werden. Bereits durch die (scheinbar) gegenläufigen Heuristiken einer Angst- und Sicherheitsgesellschaft (Bude 2014, Singelnstein & Stolle 2008) zeigen sich Ambivalenzen, die sicherheitspolitisch verarbeitet werden müssen. Demnach haben zunehmende gesellschaftliche Verängstigungen Folgen für sicherheitspolitische Wertpräferenzen zwischen Freiheit und Sicherheit, für staatliche Programme und Maßnahmen zur Herstellung von öffentlicher Sicherheit sowie für (Un-)Sicherheitserwartungen der politischen Zivilgesellschaft, für die Akzeptanz von staatlichen Maßnahmen und für das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in Institutionen der (inneren und äußeren) Sicherheit.
Vor dem Hintergrund dieser konzeptionellen Vorannahmen über (a) das Phänomen der Angst, (b) gesellschaftliche Erscheinungsformen von Angst sowie (c) die Angst- und Sicherheitspolitik werden Beiträge aus den genannten drei Bereichen bearbeitet.
Tagungsorganisation:
Dr. Jens Lanfer, Prof. Dr. Martin W. Schnell
Die Beiträge werden in dem Sammelband: Lanfer, J., Schnell, M. W. (Hg.): Angst und Angstpolitik. Interdisziplinäre Perspektiven, Verlag Springer VS, Wiesbaden 202, dokumentiert.
